Das 20-Jahres-Alphabet der Burschenschaft Hasenlauf

von Rainer Henkel

 

 

A

 

ANFANG, DER:

Alles hat bekanntlich einen Anfang-unsere Gesellschaft hat gewissermaßen derer zwei: ein erstes Vorbereitungstreffen zu einer eventuellen Gründung einer Burschenschaft am Hasenlauf fand in unserer Stammkneipe „Zur Luise“ bereits am 10. Dezember 1983 statt, die erste offizielle Versammlung dann am 7. April 1984 in derselben Örtlichkeit.

Damals hatten wir bereits 35 Burschen (teils in piekfeinen Anzügen erschienen) in der Gründungsversammlung, von denen ich heute einige mit großer Freude hier begrüßen darf:

 

Christian Grebe

Michael Kümpfel

Fred Liebetrau

Peter Liebetrau

Andreas Peuckert

Matthias Peuckert

Robert „Bobby“ Roth

Stefan Roth

Martin Schmeck

Jörg Schmitt

Ralf Siebott

Hagen Strenger

Andreas Wille

und ich war auch da...

 

 

B

 

BURSCHEN, DIE:

Der Kern der Sache: unsere Mitglieder, die Burschen.

Zum Grenzgang in 1984 hatten wir 55 Burschen, der Grenzgang 1991 wurde mit 65 Burschen begangen, beim bisher letzten Grenzgang in 1998 folgten 78 Burschen unserer Fahne, von der später noch die Rede sein wird.

So hat sich unsere geliebte Burschenschaft nominell jeweils vergrößert, aber nicht nur das. Ich finde, es hat sich in diesen 20 Jahren um das große Thema Grenzgang eine Gemeinschaft entwickelt, die ihresgleichen sucht. Besonders schön finde ich folgende Beschreibung, die mein Bruder Eckhard als einen Beitrag zur Geschichte der Burschenschaft Hasenlauf  formuliert hat und die im zweiten Band des Festbuches „Geschichte und Geschichten unserer Stadt“ anlässlich der 750-Jahr-Feier im Herbst erscheinen wird:

 

„In ihrer Gesamtheit hat die Burschenschaft Hasenlauf einen eigenen und einzigartigen

Charakter entwickelt. Neben der Verpflichtung zur Tradition stehen Werte wie Toleranz

und Weltoffenheit an oberster Stelle. Geistige Offenheit und Akzeptanz des

Andersdenkenden sind Grundsätze, die vorbildlich gelebt werden. Ja, es funktioniert -es

diskutieren und feiern harmonisch miteinander Konservative, Sozis, Monarchisten,

Katholiken, Protestanten, Atheisten, Juden, Heteros, Homos, Eintracht-Fans und sogar

Wallauer! Soziale Stände interessieren nicht, vom Jung-Unternehmer bis zum

Arbeitslosen hat jeder das gleiche Ansehen seiner Person.“

 

Danke, Eckhard-das trifft die Sache auf den Punkt, finde ich!

 

 

C

 

CHEERLEADER, DIE:

Eine Gruppe junger, sportlicher Menschen, die in gekonnter Choreographie Animationen und Anfeuerungen für Sportmannschaften mit Hilfe von Puscheln und engen Kostümen zur Aufführung bringen.

Sehr appetitlich zu sehen in weiblicher Ausführung zum Fußballturnier der Burschenschaften und in männlicher Ausführung zum Fußballturnier der Mädchen.

 

 

D

 

DURST, DER:

Ein Umstand, der manche von uns zu den tollkühnsten Ideen treibt:

Bursche Wille, der Fahnenträger der Jahre 1984 und 1991, zuletzt Adjutant des Burschenhauptmanns Jörg Nassauer in 1998 verwettete 500 Liter, dass er es schaffen würde, zehn kleine Bier (0,2l) schneller zu trinken als jeder andere. Nach zuerst 1:16 Min. steigerte er sich im Juni 1991 auf sage und schreibe 44 Sekunden! Das wurde meines Wissens nach bisher von keinem unterboten; er muss jedoch wachsam sein - schliesslich hatte er betont: „Die Wette bleibt auf Lebzeiten bestehen!“

 

 

E

 

EMBLEM, DAS:

Die Suche nach einem hochwertigen, phantasievollen aber auch bezahlbaren Emblem zur Kennzeichnung unserer Gäste auf dem Frühstücksplatz trieb uns immer wieder zu Höchstleistungen. In 1984 waren unsere Flaschenöffner mit Häschenmotiv sehr begehrt, in 1991 erhielten wir sehr großen Applaus für unsere drei Püppchen zum Anstecken (zwei unterschiedliche Wettläufer und ein Mohr), 1998 sorgten wir für einen Ansturm auf unsere prächtigen vielfarbigen Metallanstecker mit den genannten drei Motiven.

 

 

F

 

FAHNE, DIE:

Ein wundervolles, sehr aufwändig gestaltetes Exemplar einer Burschenschaftsfahne wurde mit großen finanziellen Anstrengungen angeschafft. Wir schrieben alle führenden Fahnenfabriken Deutschlands an und erbaten Angebote. Nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Magistrat erhielten wir erst nach einer Änderung des Motivs auf der Vorderseite die vertraglich ausformulierte sogenannte „Gestattung“ zur Verwendung des Stadtwappens auf der Rückseite.

Den Zuschlag erhielt damals die Fa. Geschwister Burger aus Munderkingen an der Donau. Ein schweres, dreilagiges Tuch mit bester Stickerei wurde für 5.623,05 Deutsche Mark in Auftrag gegeben.

Einen Zuschuss zur Finanzierung dieser Fahne leistete damals die Männergesellschaft Hasenlauf und namentlich ein einzelner Bürger der Gesellschaft, Bürger Grebe – der Vater unseres ehemaligen Burschen Christian Grebe.

Sie wurde so rechtzeitig geliefert, dass wir bereits zum ersten Grenzgang in 1984 mit diesem Schmuckstück über die Grenze gehen konnten.

Nach einer Beschädigung in 1998 durch exzessiven Einsatz auf dem ersten Frühstücksplatz wurde sie über Nacht notdürftig vom Schneider Imas in der Schulstraße repariert. Eine fachgerechte Renovierung erfolgte später bei der Herstellerfirma.

 

 

G

 

GENERATIONEN, DIE:

In der Regel kann man feststellen, dass die Tradition unseres wunderbaren Heimatfestes gerne und sehr engagiert über alle Generationen einer Familie weitergegeben werden. Insbesondere auswärtige Besucher des Grenzgangs bestätigen uns immer wieder, wie sehr sie davon beeindruckt sind, mit welcher Begeisterung und Freude, Heimatliebe und Traditionsbewusstsein auch die Jugend ihre alten Werte erhält und sie in die Zukunft überführt.

Der 7-jährige Turnus des Grenzgangs sorgt dafür, dass zu jedem Mal wieder eine junge Generation das Zepter übernimmt und eine alte Generation in die zweite Reihe tritt.

Ich halte es für wenig verwunderlich, dass die Söhne von vier ehemaligen Männerführern des Hasenlaufs (Norbert Kreutz, Hermann Roth, Heinz Liebetrau und Helmuth Henkel – Nebenbei: jeder kein echter Wurzelbürger!) den Generationenvertrag weiter erfüllen und ihrerseits auch selbst Führer bei den Burschen oder Männern wurden.

 

 

H

 

HASENLAUF, DER:

Unsere Heimat, ganz platt. Ein Bergrücken im Biedenkopfer Stadtgebiet, dessen Äcker und Wiesen von den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis heute Bauland boten, auf denen sich Zugereiste und Wurzelbürger ein eigenes Haus bauten oder eine Wohnung beziehen konnten.

Mit der Männergesellschaft Hasenlauf seit 34 Jahren und der Burschenschaft Hasenlauf seit nunmehr 20 Jahren begründeten Bürger und Burschen ihre Heimat und Wurzeln dort und wurden im Laufe der Zeit ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung Biedenkopfs und seines Grenzgangs.

 

 

I

 

INNOVATION, DIE:

Unsere Burschenschaft bezeichnet sich mit Fug und Recht als „Innovative Traditionsburschenschaft“.

Besonders deutlich wurde dieses Eigenverständnis durch die Veröffentlichung einer wunderbaren Musik-CD und einer Bilder-CD mit Liedern, Gesängen und Digitalfotos unseres Burschenschaftslebens im Grenzgang 1998.

Als erste Burschenschaft in Biedenkopf konnten wir desweiteren einen nennenswerten Auftritt im Internet vorweisen, der viel gelobt wurde und noch heute Massstäbe setzt.

Alle diese multimedialen Auftritte erarbeitete mit grossem Fleiss, mit Begeisterung und Liebe unser Schriftführer, mein Bruder Bursche Henkel: ein Riesen-Dankeschön dafür!

 

 

 

J

 

JUGEND, DIE:

Unter dem Begriff „Pulsschlag“ hatte sich 1998 eine damals sehr engagierte Truppe junger Burschen der Burschenschaft Hasenlauf angeschlossen. Ein Teil dieser Jungs hat sich seine Begeisterung bis heute behalten und wird sicherlich im nächsten Jahr zum Grenzgang 2005 das Rückgrat der neuen Führungsriege unserer Gesellschaft stellen. Ich wünsche euch viel Erfolg dabei!

 

 

K

 

KARTOFFEL, DIE:

Diese wundervolle Knolle führt uns in jedem Jahr zusammen, um den gesellschaftlichen Höhepunkt des Burschenschaftslebens zwischen den Grenzgängen zu geniessen: unser Kartoffelbraten auf dem schönsten Waldplatz der Stadt am Hasenlauf! Jeder weiss, wie sehr ich persönlich einen solchen Brott liebe.

Viele Burschen, die privat keinen Platz, keine Gelegenheit oder eventuell auch keine Ahnung haben, um selbst ein Kartoffelbraten auszurichten, freuen sich mit ihren Gästen auf diese wunderbare Veranstaltung. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit ergreifen, um meinen Führerkollegen Brunner und Liebetrau sowie unserem Fassmeister Sporleder heftig zu danken, die bei der Vorbereitung dieser und anderer Veranstaltungen naturgemäss mehr Arbeit erledigen, weil ich nicht mehr vor Ort in Biedenkopf wohne und dort wenig Hilfestellung geben kann. Ein herzlicher Dank auch an den ehemaligen Burschen Moses, der sich als Bratmeister seit einiger Zeit wundervoll entwickelt hat.

Mögen noch einige Zentner brottfester Kartoffeln hier an dieser Stelle ihrer vornehmsten Bestimmung zugeführt werden!

 

 

 

L

 

LUISE, ZUR:

Eine Kneipe im Herzen der Kernstadt Biedenkopf, gelegen am Anfang der ehemaligen Prachtstrasse Hainstrasse.

Diese traditionelle Gaststätte besteht schon seit vielen Jahrzehnten und wurde vor einigen Monaten wiederbelebt. Nun darf sie wieder den Namen der langjährigen Wirtin tragen, die einige wenige von den Anwesenden dort noch in Aktion erlebt haben dürften. Zu ihrer Zeit trug das Lokal den Namen „Lippserei“ nach dem Hausnamen der Besitzer von Kneipe, Schlachthaus und Metzgerei nebenan.

Luise Schaufuss –so hieß sie mit vollem Namen- war eine Wirtin mit grossem Herz und einer Portion kaufmännischem Geschicks, die es verstand, mit ihrer Kneipe Alt und Jung gleichermaßen eine Heimat zu bieten. Da sie – versehen mit einer damals seltenen Spätkonzession- unermüdlich arbeitete und daher selten das Tageslicht erblickte, wurde sie auch „Grubenpferd“ genannt.

 

 

 

 

M

 

MÄNNERGESELLSCHAFT, DIE:

Für einig der hier anwesenden Gäste die derzeitige, für die meisten sicher aber die zukünftige Heimat, wenn es um die Beteiligung am Grenzgang geht. Einen nicht näher zu benennenden Burschen, der aufgrund von Heirat den nächsten Grenzgang in der Männergesellschaft verbringen muss, darf ich zitieren. Er bezeichnete diesen Vorgang als „Abstieg in die zweite Liga“.

 

 

N

 

NEID, DER:

Als sich vor nunmehr zwanzig Jahren die Burschen vom Hasenlauf und aus der Altenstadt auf den Weg machten, nicht mehr in die siechende Burschenschaft Kottenbach einzutreten, sondern selbst eine eigene Gesellschaft zu gründen, hatten sie es nicht leicht. Argwöhnisch beäugt von jedermann: den Mitgliedern der etablierten Burschenschaften, den Männern bzw. Bürgern, dem Komitee....

Man hat uns distanziert betrachtet und abwartend reagiert. Als sich dann herausstellte, dass der Zulauf immens war, dass die Mitglieder und ihr Vorstand wußten, wie die (teilweise unausgesprochenen und undokumentierten) Regeln lauten und wie man Tradition und Moderne behutsam miteinander in Einklang bringt, wie man Stimmung und Begeisterung transportiert, wie man die materiellen Grundlagen sichert, wie man sich in die Lage brachte, eine prachtvolle Fahne zu erstehen.....da spürte man häufiger Neid - puren Neid.

Die ersten Kontakte zu anderen Burschenschaften fielen uns schwer - man mied uns in den meisten Gesellschaften. Die Burschenschaft Galgenberg öffnete sich als erstes und bot die Freundschaft an. Wir nahmen diese gerne an und hatten in den Grenzgängen 1984 häufig, in 1991 weniger engen Kontakt in Form von Fußballspielen und gegenseitigen Einladungen zu Veranstaltungen mit den Mitgliedern dieser kleinen, sehr alten Gesellschaft. In 1998 war davon kaum etwas zu spüren; das muss ich auch auf meine Kappe nehmen.

 

 

O

 

OBERST, DER:

Als Bürgeroberst das Oberhaupt aller Grenzgänger, als Burschenoberst das Oberhaupt der Burschen. Gewählt wird er aus den Reihen der Reiter und Führer. Er entstammt immer den Reihen der Reiter. Als Mitglied der Burschenreiter und Führer 1998 kann ich berichten, dass bei unseren Versammlungen und Zusammenkünften unterschiedlichster Art immer gerne geutzt wird, dass der einzig wahre Anführer der Grenzgangs eigentlich nur der Hauptmann sein könne. Dieser wird schließlich demokratisch aus den Reihen der Führer gewählt; jene wiederum haben ein demokratisches Mandat durch ihre Wahl aus den Reihen der Burschen und Bürger. Reiter dagegen werden nicht gewählt, sondern stellen sich von sich aus zur Verfügung....

 

Im Übrigen wird es Zeit, dass auch der Hasenlauf einmal einen Oberst stellt. Die bislang höchsten Repräsentanten vom Hasenlauf waren ein Mohr, Komiteemitglieder und jeweils bei den Männern und Burschen ein Adjutant des Hauptmanns.

 

 

 

P

 

POKAL, DER:

Die Burschenschaften richten vor jedem Grenzgang ein Turnier der Fussballmannschaften aller Gesellschaften aus. Der Erlös der Veranstaltung, die im Aue-Stadion (der neue Name will mir nicht über die Lippen gehen) stattfindet, wird genutzt, um die Ausstattung der Wettläufer zu finanzieren.

Die besten Ergebnisse brachte unsere ruhmreiche Mannschaft im Jahre 1991. Nachdem in Vorbereitungsspielen bereits die Favoritenmannschaften der Balbach und der Billerbach deklassiert wurden, errangen die wackeren Sportler den ersten Platz des Turniers und sicherten sich damit den äußerst begehrten Wanderpokal!

 

 

Q

 

QUÄLEREI, DIE:

Masochismus oder eine besondere Form des Bußgangs – eine Quälerei ist es in jedem der hier beschriebenen Fälle:

Der Anstieg zum Kleeberg am ersten Grenzgangstag –mit oder ohne Fahne, mit oder ohne Uniform, mit oder ohne Ranzen; das Buddeln eines Brunnens auf halbem Weg zur Goldkiste und das Graben der Grube für die ewig lange Wasserleitung hierher zum Waldplatz; das Stafettentrinken gegen die Vertreter der anderen Burschenschaften am Burschenball im Bürgerhaus, die Rennerei der tapfereren  Seidippeträger, um alle Burschen jederzeit an jeder Stelle mit kühlem Bier zu versorgen (an dieser Stelle: ein besonderes Lob an zwei ausgewählt engagierte Exemplare zu ihrer jeweiligen Zeit: Bursche Blumenstein und Bursche Blöcher junior); den ununterbrochenen Transport des Burschen Thielmann auf den Schultern der Burschen Endes/Vehrs und Henkel junior von der Sackpfeife bis hinunter zum Hasenlauf, die Verrichtung einer größeren Notdurft auf den verrotteten Toilettenwagen am Festplatz in 1998; den langen Heimweg aus der Luise den Kiesacker oder Kottenbach hinauf –noch immer ohne Seilbahn; die Beseitigung der Sauerei in der Küche nach einem nächtlichen Eierbacken ....

 

 

R

 

REITER, DER:

Ein sogenannter „Offizier“, der gleichberechtigt mit den Führern den Zug der Burschenschaft anführt. Beim Hasenlauf ist er leider Mangelware. Man könnte auf die Idee kommen, dass dieser relativ wohlhabende Wohnbezirk genügend Pferdeliebhaber, Reiter und Eigentümer von Reitpferden hervor brächte. Tatsächlich sieht es so aus, dass wir in 1984 keinen eigenen Reiter hatten. Der Reiter Salzmann, der Reiter Welz und ein weiterer, an den ich mich nicht mehr erinnere –kann mir jemand helfen- haben damals für uns geritten.

In 1991 hatten wir erstmals mit Heiner Grebe einen eigenen Reiter. Vorangegangen waren enttäuschende Diskussionen  und gebrochene Zusagen des Burschen Titus Coorsen, der uns vergebens Hoffnungen gemacht hatte, für unsere Gesellschaft zu reiten.

In 1998 hatten wir mit Marcus Cottu ebenfalls einen eigenen Reiter. Von diesem weiß ich jedoch, dass er in 2005 nicht mehr für uns, sondern für eine andere Gesellschaft reiten wird.

So bleibt dieses Thema nach meinem Erleben also weiterhin spannend...

 

 

 

 

S

 

STIMMUNG, DIE:

Stimmung hatte am Hasenlauf meist mit Gesang zu tun.

Gerne erinnere ich an die Schlachtgesänge der Fans der Fußballmannschaft des Hasenlaufs „Sopper Hasenlauf“, „Und wir haben den Pokal“ der Mannschaft und der Burschen, „Der Spargel“ des Adjutanten des Burschenhauptmanns, „Das goldene Alphabet“ des Burschen Schmeck, „Hasenlauf-Blues“ und „Die Wanze“ von Führer Peuckert, das Duo Snare-Trommel (Bursche Kötteritzsch) und Hammond-Orgel (Bursche Schmeck) beim ersten Strassenfest vor dem Hauseingang der Familie Liebetrau am Hasenlauf 17, die Disco unseres unvergessenen DJ und Burschen Eckert,  Schmählieder über die Holländer angedenk unserer stimmungsvollen Reise an’s Ijsselmeer, den Export unserer heimatliche Strophen anlässlich eines Zwischenhalts in der Düsseldorfer Altstadt, beim Besuch in Emsdetten zur Kanufahrt auf der Ems, in den Jägerstuben in Bad Berleburg-Berghausen zur Rittertafel, im Apfelweinlokal in Frankfurt-Sachsenhausen und und und....

 

 

T

 

TRADITION, DIE:

Tradition wurde und wird in unserer Burschenschaft gelebt und vermittelt. Wichtig erscheint mir hier im besonderen die sinnliche Wahrnehmung. Kleine Kinder bekamen früher an der Grenze eine Backpfeife, um sich den Verlauf der Grenze einzuprägen. Heute wird das Steißbein lädiert, wenn der Betreffende gehuppcht wird. Die Damen holen sich gerne eine schwarze Backe über den Körperkontakt mit dem Mohr, die heutigen Kinder erhalten vom schwarzen Mann eine salzige Brezel am Grenzgangsmorgen. Die uralte Tradition des Kartoffelbratens ist mir besonders lieb. Der Geruch von frisch entfachtem grünen Buchenholz, der Duft einer dampfenden Kartoffel frisch aus der Glut, die leicht süßliche Ausdünstung eines Gläschens Kümmel-seid ehrlich: was gibt es schöneres? Lasst uns diese Traditionen nie vergessen und pflegt sie mit Euren Kindern!

 

 

U

 

UNTERHOSE, DIE:

Ein Kleidungsstück, das neben seiner Notwendigkeit in hygienischer oder auch lustbetonender Weise seinen unerreichten Ruhmeshöhepunkt in der Modewelt erreichte, als es von pfiffigen Burschen des Hasenlaufs in 1998 neben anderen Werbeartikeln in roter Farbe und mit dem Emblem der Burschenschaft Hasenlauf versehen aufgelegt wurde. Die Nachfrage nach dem eleganten Prachtstück der Marke „Schiesser Action“ war enorm-an dieser Stelle ein Dankeschön an den ehemaligen Burschen Engelhardt senior für die Besorgung und an den Burschen Burger für dieses und andere Motive der Burschenschaft.

 

 

V

 

VERLUST, DER:

Verschiedene Arten des Verlustes mussten im Laufe der letzten zwanzig Jahre beklagt werden: mehrmals der Verlust der Muttersprache und des Erinnerungsvermögens, Verlust von Regenschirmen, Jacken und anderer Kleidungsstücke, Verlust von Leitzordnern mit schriftlichen Unterlagen, Verlust eines Seidippes, Verlust von Brillen und Handys („Meins war net so verkratzt“), Verlust aber leider auch durch den viel zu frühen Tod zweier Burschen: Jürgen Hof und Gerhard Reusch.

 

 

W

 

WIRT, DER:

Ein unglaublich wichtiger Bestandteil jeder Kneipe und insbesondere wichtig als Gastgeber für Grenzgangsversammlungen und als Verpfleger (neudeutsch: Caterer) auf den Frühstücksplätzen.

Als Wirte haben wir Hasenläufer Burschen bisher kennengelernt und in Anspruch genommen: Doris Kalb, Gerhard Reusch, Sylvia Brusch-Schouteden, „Gino“, Stefan Sesar, und Dirk Wetzlar/Schoßterasse, „Eiserner Heinrich“. Ich hoffe, niemanden vergessen zu haben.

Als Caterer auf dem Frühstücksplatz hatten wir neben Sylvia und ihrem Team in 1998 bereits Ossi Henkel aus Weifenbach in 1984 und die Familie van Laack aus der Freiherr-vom-Stein-Str./später Eckelshausen in 1991 engagiert.

Für nächstes Jahr werden wir wohl –soweit man das heute absehen kann- den Luise-Wirt Ulli Jung mit Kompagnon als Geschäftspartner erleben.

 

 

X

 

XXL/ExtraExtraLarge:

Die Größe der Reizwäsche, mit der Gonzine ihren legendären Auftritt hatte. Zu Erinnerung: im Grenzgangsjahr 1991 stellte der ehemalige Bursche Dalwigk fest, dass es dem damaligen Führer Kunkler große Freude machte, seine Notdurft auf der Damentoilette der „Luise“ zu verrichten. Darum wollte dieser unseren stämmigen zweiten Führer gerne mal mit den passenden Kleidungsstücken ausstatten. Führer Kunkler willigte ein (nicht ohne, dass im Zusammenhang mit einigen Wetten mehr als 1000 Liter in die Kasse kamen) unter der Bedingung, dass hochhackige Schuhe, Strapse und „solche Eumel“ zur Ausstattung gehörten. Bursche Dalwigk besorgte mit Hilfe der Nähkünste seiner Schwiegermutter Hilla die Ausstattung und Gonzine hatte bei unserer Versammlung in der Luise und bei der Burschenschaft „Hofmann Auf der Bach“ bei deren Versammlung am Marktplatz einen Auftritt, der lange in Erinnerung blieb!

 

 

Y

 

YOUNGTIMER, DER:

Als Youngtimer wurden alte Autos bezeichnet, die im Motorsport bewegt werden, aber noch keine Oldtimer sind. Solche Fahrzeuge werden bereits zu Oldtimerveranstaltungen zugelassen, sind aber „erst“ ca. 30 Jahre alt. Die ältesten Burschen unserer Gesellschaft (Bursche Demme, Bursche Eckert) zähle ich mit den Baujahren 1956 und 1958 nun auch zu diesen Youngtimern. Alt, aber mit einigen Ausstattungsmerkmalen versehen, die heutige Baujahre nicht mehr aufweisen können!

 

 

Z

 

ZUKUNFT, DIE:

Um unsere Zukunft als Burschenschaft Hasenlauf ist mir nicht Bange.

Ich bin mir absolut sicher, dass am Hasenlauf bereits heute und auch in Zukunft genügend Potenzial steckt, um unsere geliebte Burschenschaft weiterhin als eine fröhliche, begeisterte und angesehene Gesellschaft in den Dienst der großen Sache, unseres Grenzgangs und unserer Heimat insgesamt zu stellen.

 

Ganz persönlich bin ich überaus froh und stolz, diese unsere Burschenschaft Hasenlauf mitbegründet, großgezogen und entwickelt zu haben; ihr zuletzt gar als einer der Führer vorstehen zu dürfen.

 

Es war mir eine besondere Ehre und ich habe versucht, meine jeweiligen Aufgaben, sei es als Schriftführer, Fahnenträger oder Führer mit größtmöglichem Engagement auszufüllen.

 

Mein Platz wird in Zukunft in der zweiten oder dritten Reihe sein – abschließend rufe ich den erstklassigen ehemaligen und aktiven Burschen zu :

 

DIE BURSCHENSCHAFT HASENLAUF, SIE LEBE HOCH, HOCH, HOCH !!!

 

Danke für die Aufmerksamkeit.

 

Rainer Henkel, zum 19. Juni 2004

 

Dieser Text steht als PDF-Dokument hier zum Download bereit

 

 

 

zurück zur Übersicht

 

© Rainer Henkel, letzte Änderung 09.11.2004